Zahltag
Nach meiner Ausbildung habe gejobbt. In den USA und in Europa. Selbstständig war ich ja nicht von Geburt an, also habe ich gemacht, was alle machten: Arbeiten und Geld verdienen. Und am 25. gab’s Geld. Check oder Überweisung. Das war schön, weil sicher und regelmässig. Das war auch nicht so schön – in gewisser Weise aus denselben Gründen.
Ohne mich nun im Nachhinein undankbar geben zu wollen, eines hat mich immer gestört: Ob ich viel oder wenig gearbeitet habe, Ende Monat floss immer dieselbe Menge Geld in meine Richtung. Dieser Automatismus hat natürlich etwas Beruhigendes – irgendwie muss man ja seine Rechnungen zahlen. Auf der anderen Seite kann dieser Deal auch etwas Lähmendes haben – wenig Anreize in Sicht. Gelähmt blieb ich trotzdem nicht, weil ich immer gerne und viel gearbeitet habe. Aber etwas mehr sichtbare und direkte Verbindung zwischen Einlage und Zinsen hätte ich mir schon gewünscht.
Nicht der einzige Grund, aber sicher mit eine der Triebfedern, weshalb ich mich irgendwann selbständig gemacht habe. Eigentlich nicht des Geldes wegen, mehr um die Wirkungen meines Tuns direkter zu erleben. Geld ist das eine, Freude, Befriedigung und Erfüllung sind andere Faktoren, die zählen. Risiken immer inklusive, schliesslich ist nicht jeder Anlauf gleich von Erfolg gekrönt. Immerhin, die positiven Aspekte überwiegen deutlich: Keiner drängt mich, keiner überwacht mich, ich kann morgens auch mal später, dafür abends dann so lange ich will arbeiten - ich bin eben einfach freier. Allerdings: Kein regelmässiges Geld Ende Monat!
Deshalb ist heute für mich nicht Zahltag. Keiner schickt mir einen Check, niemand eine Gehaltsabrechnung. Unter dem Strich bleibe ich aber auch am 25. fröhlich, weil für mich der 1., der 10. oder irgendein anderer Tag Zahltag sein kann. Und auch immer wieder mal ist, je nach laufenden Projekten.
Heute vor die Wahl gestellt, würde ich mich zwischen sicherem Check am Monatsende und „unsicherer“ Selbständigkeit den ganzen Monat lang, genau gleich entscheiden wie damals. Eines aber ist seltsamerweise geblieben: Immer am 25. habe ich ein „Zahltagsgefühl“, so wie früher. Völlig grundlos. Da stellt sich die Frage: Ist man wohl erst so richtig selbständig, wenn man sich am 25. genauso fühlt, wie an jedem anderen Tag?
Übrigens...
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