Wann wird die Wirtschaft kreativ?
Seit Jahren grassiert in der Wirtschaft das Gerücht, dass die Erfahrung und das Know-how von Arbeitnehmern über 50 wieder verstärkt geschätzt würden. Schön! Aber bisher ohne sichtbare Auswirkungen.
Gerade mal ein Drittel der über 50-jährigen Ausgesteuerten findet in den Arbeitsmarkt zurück, für alle anderen bleiben die Türen geschlossen. Die versuchen dann, eine eigene Existenz zu gründen, leben von ihren Lebenspartnern oder landen in der Fürsorge. Es geht mir jetzt noch weniger um persönliche Tragödien, als vielmehr um einen Bumerang, der uns irgendwann unsanft ins Genick knallen wird.
Schulabgänger haben Mühe, Ausbildungsplätze zu bekommen und ältere Menschen finden keinen Job. Die Musik spielt also vor allem für Beschäftigte mittleren Alters in der Gegenwart, Investitionen in die Zukunft und in die noch frische Vergangenheit gibt's keine. Das ist kurzsichtig. Im Moment besetzen noch die geburtenstarken Jahrgänge die Sessel. Nur, deren Pensionierung rückt langsam auch in greifbare Nähe und ein Vacuum zeichnet sich heute schon ab. In wenigen Jahren werden uns gut ausgebildete und erfahrene Profis fehlen.
Etwas vorausschauende Kreativität im eigenen Interesse würde uns allen gut bekommen. Die Wirtschaft braucht neue Denkmodelle, um langfristig und auf Dauer mit ihrer wichtigsten Ressource versorgt zu bleiben: Menschen mit Hintergrund und Potenzial. Ein schöner Nebeneffekt dieser neuen Modelle - sie schliessen zwangsläufig und der Not gehorchend alle Teilnehmer mit ein: Junge und Alte, Frauen und Männer, Paare und Alleinerziehende.
Klug wäre, diese kreativen Gedanken heute schon zu denken. Und erste Lösungsansätze morgen schon zu initialisieren. Damit wäre allen geholfen: Arbeitnehmern von heute und einer kreativen Wirtschaft von morgen, die ihre Hausaufgaben rechtzeitig gemacht hat.

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